(Leserbrief – Autor: Peter Simon, erschienen in NN am 12.6.2014)

Mit Erschrecken musste ich heute in den sozialen Medien die neue Adidaswerbung zur viel umstritten Fußball WM in Brasilien sehen. Da ist doch tatsächlich ein Lukas Podolski mit einem herausgerissenen Herz abgebildet. Auf seiner Facebookseite steht zusätzlich zu diesem Bild der Kommentar: „I will give my heart for my country. Ich werde für mein Land mein Herz hingeben. Allin or nothing“ Der Aufschrei in den Medien über diese geschmacklose Werbung begnügte sich mit der Kritik, dass Podolski ein echtes Tierherz in Händen hält, dass also Tiere für diese Werbung sterben mussten. Sicher ist dies hochgradig unnötig, dabei wird aber der eigentlich größte Skandal total übersehen.

Schon die vorhergehende Adidaswerbung, auf welcher Bastian Schweinsteiger im Deutschen Nationaltrikot abgebildet war und auf dem der Slogan „Unsere Farben oder keine. Wie weit würdest du gehen für die Nationalmannschaft“ stand, stieß mir extrem übel auf. Zusammen senden diese beiden Annoncen eine klar nationalistische und völkische Botschaft.

Offensichtlich haben die Werbungsmacher vergessen, was überbordender Nationalismus der Welt in der Vergangenheit gebracht hat und nach wie vor bringt.

Ebenso scheint man sich wenig Gedanken darüber gemacht zu haben, was die eigenen Angestellten aus allen Ländern dieser Erde wohl denken werden, wenn sie lesen „Unsere Farben oder keine“. „Herzlich Willkommen in Deutschland“ heißt das jedenfalls nicht.

Auch wenn einem Milliardenkonzern manchmal Allmachtsphantasien überkommen, sollte selbst er die letzten Tabus nicht überschreiten. Mit Nationalismus zu werben, ist wohl eines der billigsten, wenn wohl auch der effektivsten Arten Werbung und Stimmung zu machen. Ob Aufmerksamkeit um jeden Preis das größte Interesse eines internationalen Konzerns sein sollte, ist mehr als fragwürdig. Oder besser gesagt: Einfach nur traurig.